SIA 380/4 — Elektrische Energie im Hochbau
Die Schweizer Norm, die den Energieverbrauch der Beleuchtung in Gebäuden regelt. Grenzwerte pro Raumtyp, Zusammenhang mit Minergie und praktische Umsetzung.
Was ist die SIA 380/4?
Die Norm SIA 380/4 — Elektrische Energie im Hochbau wird vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) herausgegeben. Sie gehört zur Normenfamilie SIA 380/X, welche die Energieeffizienz von Gebäuden regelt:
- SIA 380/1 — Thermische Energie im Gebäude
- SIA 380/2 — Wärmebedarf für die Heizung
- SIA 380/3 — Wärmebedarf für Warmwasser
- SIA 380/4 — Elektrische Energie (Beleuchtung, Lüftung, Klimatisierung)
Der Teil «Beleuchtung» der SIA 380/4 schreibt Grenz- und Zielwerte vor für die installierte Leistung in W/m² pro Raumtyp. Im Gegensatz zur EN 12464-1, die eine Untergrenze festlegt (Lux-Minimum), legt die SIA 380/4 eine Obergrenze fest (Watt-Maximum).
Rechtlicher Rahmen in der Schweiz
Die SIA 380/4 wird referenziert in:
- Die kantonale Reglemente zum Vollzug des Energiegesetzes (EnG)
- Die MuKEn 2014 (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich)
- Die Pflichtenhefte der öffentliche Beschaffung
- Die Labels Minergie, Minergie-P, Minergie-A
- Die Energiezertifizierung CECB (Gebäudeenergieausweis der Kantone)
Für einen Neubau oder eine umfassende Sanierung in der Schweiz wird die Konformität mit SIA 380/4 fast immer verlangt — implizit über die MuKEn oder explizit über Minergie.
Zielwerte vs. Grenzwerte
Die Norm unterscheidet zwei Stufen:
- Zielwert — Zielwert für ein energetisch ambitioniertes Gebäude (Minergie, Labels, vorbildliche öffentliche Bauten)
- Grenzwert — Obergrenze, die nicht überschritten werden darf, akzeptabel für ein Standardgebäude
In der Regel liegt der Grenzwert 30 bis 50% über dem Zielwert.
Werte nach Raumtyp
| Raumtyp | Zielwert (W/m²) | Grenzwert (W/m²) |
|---|---|---|
| Einzelbüro | 5 | 7 |
| Grossraumbüro | 5 | 7 |
| Sitzungszimmer | 5 | 7 |
| Eingangshalle / Empfang | 4 | 6 |
| Korridor, Verkehrsfläche | 3 | 5 |
| Treppenhaus | 3 | 5 |
| Sanitärräume | 5 | 7 |
| Garderoben | 5 | 7 |
| Lagerraum | 3 | 5 |
| Gedecktes Parking | 2 | 4 |
| Klassenzimmer | 8 | 12 |
| Industriewerkstatt | 8 | 12 |
| Verkauf (Handel) | 12 | 18 |
| Spital (Zimmer) | 6 | 9 |
Die genauen Werte sind anhand der aktuellen Ausgabe der Norm zu bestätigen (verfügbar auf www.sia.ch). Die Ausgabe 2017 wurde 2022 mit leicht strengeren Werten aktualisiert.
Berechnungsmethode
Für jeden Raum erfolgt die Überprüfung in 3 Schritten:
- Installierte Leistung berechnen : Summe der Nennleistungen der Leuchten / Raumfläche = W/m²
- Korrekturfaktoren anwenden :
- Manuelle Steuerung: Koeffizient 1,0 (keine Reduktion)
- Präsenzmelder: Koeffizient 0,7 bis 0,9 (je nach Zone)
- Automatische Regelung nach Tageslicht: Koeffizient 0,7 bis 0,8
- Beides kombiniert: Koeffizient 0,5 bis 0,7
- Vergleichen mit dem Ziel-/Grenzwert SIA 380/4 je nach Raumtyp
Formel
P_spec = (Σ P_luminaires × k_correction) / S P_spec = spezifische Leistung (W/m²) P_lum = elektrische Leistung einer Leuchte (W) k_corr = Reduktionskoeffizient (Steuerung, Dimmung, Tageslicht) S = Nutzfläche des Raums (m²) Konformität: P_spec ≤ Grenzwert_SIA_380/4
So halten Sie die SIA 380/4 ein
1. LED mit hoher Lichtausbeute wählen
Moderne LEDs übertreffen 100 lm/W im Einstiegssegment und erreichen 180+ lm/W bei Profimodellen. Bei gleichem Lichtstrom verbraucht eine Leuchte mit 150 lm/W halb so viel wie eine mit 75 lm/W. Das ist der wichtigste Hebel, um die Zielwerte zu unterschreiten.
2. Bedarfsgerecht dimensionieren
Niemals überdimensionieren, «damit es schön aussieht» oder «um sicherzugehen». Halten Sie die Beleuchtungsstärkewerte der EN 12464-1 ein (nicht mehr, nicht weniger) — Ēm um 50% zu überschreiten bedeutet, die installierte Leistung ohne Nutzen zu verdoppeln.
3. Präsenzerkennung
In Räumen mit zeitweiliger Nutzung (Korridore, Sanitärräume, Sitzungszimmer, Garderoben, Parkhäuser) ermöglichen Präsenzmelder einen Korrekturkoeffizienten von 0,7 bis 0,9. Das ist Hebel Nr. 2.
4. Tageslichtabhängige Dimmung
Für Büros an der Fassade oder mit grossen Fensterflächen ermöglichen Helligkeitssensoren, die die Leistung automatisch senken, wenn die Sonne einfällt, einen Koeffizienten von 0,7 bis 0,8. Kombinierbar mit Präsenzerfassung.
5. Intelligente Zonierung
Statt ein ganzes Grossraumbüro komplett zu beleuchten, unterteilt man es in separat geschaltete Zonen (pro Fensterachse, pro Arbeitsplatzinsel). Unbelegte Zonen bleiben ausgeschaltet oder stark reduziert.
Beziehung zur EN 12464-1
Die beiden Normen wirken zusammen, in entgegengesetzte Richtungen:
| EN 12464-1 | Verlangt einen Minimum an Lux (Sehkomfort) |
| SIA 380/4 | Verlangt einen Maximum an W/m² (Energieeffizienz) |
Ein konformes Projekt muss beide gleichzeitig erfüllen. Dank moderner hocheffizienter LEDs ist das möglich: ausreichend beleuchten (EN 12464-1), ohne zu viel zu verbrauchen (SIA 380/4).
SIA 380/4 in AutoCAD mit CALEP einhalten
Der Befehl CALEP von ElectroCAD Tools berechnet in Echtzeit:
- Die erreichte mittlere Beleuchtungsstärke (Prüfung nach EN 12464-1)
- Die installierte Leistung in W/m² (SIA-380/4-Prüfung)
- Sofortige Anzeige, ob man innerhalb der Ziel- oder Grenzwerte liegt
- Die Anzahl Leuchten, die zum Erreichen des Zielwerts nötig ist
Der erzeugte Bericht kann direkt in die Berechnungsnotiz des Baugesuchsdossiers oder eines Minergie-Audits übernommen werden.
Halten Sie SIA 380/4 direkt in AutoCAD ein
Der Befehl CALEP von ElectroCAD Tools zeigt die installierte Leistung in Echtzeit an. Konformität mit SIA 380/4 + EN 12464-1 mit einem Klick.
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